Pfusch am Bau

Beim Abholen der Lambretta ließ sich der erste Gang nicht einlegen.

Nun weiß ich ja, dass bei Handschaltungen oftmals die Schaltungseinstellung etwas kniffelig ist. Der Verkäufer meinte zwar, dass nur der Drehgriff falsch aufgesetzt wäre, aber das ist natürlich Blödsinn. Da kann nämlich nichts falsch aufgesetzt werden.

Eigentlich will ich ja die Schaltung erst einstellen, wenn ich auch die Schaltzüge wechsele. Die aber sind noch nicht angekommen, und weil ich es nicht abwarten kann, schaue ich mir heute den Schaltungsmechanismus mal etwas genauer an.

Vorher hab ich mir die alten NSU Kundendienstmitteilungen aus dem Jahre 1956 angeschaut und mir die Schaltungseinstellung verinnerlicht.

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Zuerst die Züge ausgehängt, dann den 1. Gang am Drehgriff eingestellt und das kurze Ende des Schaltzuges vorne, das lange Ende hinten eingehängt. Dabei stoße ich auf den ersten Pfusch heute: Die kleinen Splinte an den Nippeln fehlen und im echten Fahrbetrieb können die Nippel aus den Halterungen fallen. Schlecht. Dann wird der 2. Gang eingelegt und die Zügen werden nun spielfrei eingestellt. Voila, schon bekomme ich alle Gänge herein, und das trotz der wirklich schlechten und verschlissenen Züge.

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Mehrfache Schaltprobe: Alles gut. Wie in den Kundendienstmitteilungen beschrieben, ist der Leerlauf manchmal schwierig zu finden. Dann einfach über den Leerlauf hinweg und sanft wieder zurück schalten. Tatsächlich kommt jetzt die Erinnerung, dass dies beim Fahrschulroller 1969 auch so war.

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Das verbaute Rücklicht ging ja überhaupt nicht und so habe ich mir dieses hübsche Lambretta-Lämpchen besorgt. Beim kurzen Anhalten stoße ich auf den nächsten Pfusch: Das Schutzblech ist marode und verrostet, und so baue ich es erst einmal ab.

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Die Verriegelung der beiden Seitenbleche klappte auch nicht richtig: Die Aluhebel lassen sich nur ein winziges Stück in die Halterung bewegen. Auch dazu sagt die Kundendienstmitteilung 35 vom Juli 1956, dass die Hebel spürbar einrasten und dann strack nach hinten stehen müssen. Das ist aber hier nicht der Fall und so komme ich zu Pfusch Nr. 3.

Die Verriegelungs-Mimik ist komplett verrostet und bewegt sich kein Stück mehr. Die Messingbuchse ist auf der Verriegelungswelle total fest gerostet und ich brauche 2 Stunden, um alles mit Kriechöl, Wärme, Abzieher und Hammer wieder beweglich zu bekommen – und das nur auf der linken Seite.

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Das Schutzblech ist fies verrostet, da muss ganz sicher geschweisst werden.

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So stelle ich mir das Heck der Lambretta in Zukunft vor.

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Probe aufs Exempel: Mit der gangbar gemachten und ordentlich gefetteten Verriegelung sitzt das linke Seitenblech perfekt. Der Hebel ist hörbar eingerastet und zeigt nach hinten – so soll es sein. Das gleiche muss ich noch auf der rechten Seite machen, aber nicht mehr heute. Das war genug Pfusch für einen Tag.

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Unter dem roten Lack, der keineswegs häßlich ist, tauchen Reste des originalen Lacks auf: Ein sehr dunkles Rot, und eigentlich noch hübscher als die Nachlackierung. Vielleicht sollte ich doch über diese Original-Farbe nachdenken.

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